Avsnitt

  • Wir diskutieren mit Mizgeen Sayaband (ab Minute 48). Mizgeen ist Studentin an der Universität Bern. Sie hat die Besetzungen der Uni Bern im Rahmen der Pro-Palästina-Proteste mitorganisiert. Wir reden über die Motivation der Aktivist:innen, die Logistik der Proteste, die Forderungen der Protestierenden und ihre Ansichten zu Hamas und der Lösung des Nahostkonfliktes.

    Weitere Themen:

    * Joe Biden vor dem Untergang. US-Präsident Joe Biden ist am 28. Juni zur Debatte mit Donald Trump angetreten. Das Ergebnis: Biden ist implodiert. Er war müde, schwach, verwirrt und konnte stellenweise nicht mehr reden. So sieht kein Präsident aus, der ernsthaft eine weitere Amtszeit in Angriff nehmen kann. Nach der Debatte kamen schnell die Ausreden. Biden meinte, er sei müde gewesen, weil er in den Tagen vor der Debatte viel herumgereist sei. Übersetzt: Ich bin nicht mehr fit genug, um meinen Job als Präsident auszuüben. Das dürfte die Wählerschaft beruhigen. Seit der Debatte werden Forderungen nach Bidens Rücktritt laut. Biden und sein Team pochen darauf, dass Biden weiter macht. Wer hat die besten Chancen, ihn zu ersetzen? Kamala Harris, Gavin Newsom, Gretchen Whitmer, Pete Buttigieg - oder vielleicht doch Bernie Sanders?

    * US Supreme Court: Immunität. Der oberste Gerichtshof der USA, der Supreme Court, hat entschieden, dass US-Präsidenten absolute Immunität für alle Handlungen geniessen, die sie im Rahmen ihrer amtlichen Machtbefugnisse vornehmen. Der Supreme Court entschied so, um Trump vor klagen u.a. wegen seines Putschversuches bei der Wahl 2020 zu schützen. Die Konsequenz dieser desaströsen Entscheidung: Das Amt des US-Präsidenten ist ein ganzes Stück näher an die Machtbefugnisse von Königen und Diktatoren herangerückt.

    * US Supreme Court: Deregulierung. In einem weiteren Fall entschied der Supreme Court, dass nicht amerikanische Bundesbehörden, sondern Gerichte über die konkrete Auslegung von Gesetzen, die Unternehmen in ihrer Aktivität beeinflussen können, zu entscheiden haben. Das bedeutet beispielsweise, dass nicht mehr staatliche Behörden die konkrete Umsetzung von Umweltschutzgesetzen vornehmen, sondern diese gerichtlich erstritten werde müssen. Das ist ein gigantischer Deregulierungs-Schritt durch die juristische Hintertüre.

    Wie gewohnt sind wir auch auf YouTube:

    https://youtu.be/O_flpqNWb1o



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  • Cancel Culture: Wenn man das Falsche sagt, wird man den Linken gecancelt, gelöscht, abgesägt, tschüss, auf Nimmerwiedersehen.

    Das ist zumindest das Schreckgespenst, das das Jahren in der öffentlichen Debatte kursiert. Darüber reden wir mit Stefan Millius (ab Minute 32). Stefan schreibt für die Publikationen Weltwoche, Nebelspalter und Corrigenda, und er ist Moderator beim Online-Radiosender Kontrafunk. Wir diskutieren auch über Klimawandel, über “Wokeness” und über die “konservative Revolution”, die sich Stefan wünscht.

    Weitere Themen der Folge:

    * AI und kreative Jobs. Mira Murati, CTO von OpenAI, erklärte an einer Veranstaltung ihre Sicht bezüglich Automatisierung kreativer Jobs. Wenn Jobs im kreativen Bereich durch AI ersetzt werden, sei das nicht schlimm, im Gegenteil: Vielleicht hätte es diese Jobs nie geben sollen. Ein interessantes Argument. Nur schon, weil die AI-Apps ohne diese Jobs, die es nie hätte geben sollen, keine Trainingsdaten hätten, um überhaupt zu funktionieren.

    * Der Tesla-Cybertruck ist ein Debakel. Der Cybertruck von Tesla kommt nicht in die Gänge. Die neueste Episode: Ein grosser Rückruf in den USA wegen defekter Scheibenwischer und abfallender Verkleidung. Wir rekapitulieren einige bizarre Fakten rund um den Cybertruck, von miserabler und gefährlicher Verarbeitung über sich selber zerstörende Reifen bis hin zu Türen ohne Türgriff, mit denen man Gemüse schälen kann. Der Cybertruck ist eine Monstrosität, die wir hoffentlich nie auf den Strassen Europas werden erblicken müssen.

    * Julian Assange ist frei. Julian Assange, der Gründer von Wikileaks, ist nach über 10 Jahren Unfreiheit, davon rund fünf Jahren Haft im Vereinigten Königreich, frei. Er ging einen Deal mit den USA ein und darf die USA in Zukunft nicht mehr betreten. Obschon Assange eine ideologisch nicht unkomplizierte Person ist, ist es absurd, dass die einzigen Leute, die wegen der von Wikileaks aufgedeckten amerikanischen Kriegsverbrechen im Gefängnis waren, Julian Assange und Chelsea Manning waren. Also die Leute, die die Kriegsverbrechen aufgedeckt haben.

    Wie immer sind wir auch auf YouTube.

    https://www.youtube.com/watch?v=ZJWDmlemKxU



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    Nach unserer ersten EsoGulasch-Folge zu Rudolf Steiner wurden wir gefragt: Muss es so verbissen kritisch sein? Kann man nicht auch über die positiven Seiten und Dinge reden?

    Darüber reden wir in dieser Bonus-Folge. Also nicht über die positiven Seiten von Rudolf Steiner. Sondern allgemein über unsere gesellschaftskritische Perspektive. Mit unseren Shows üben wir in erster Linie Kritik an gesellschaftlichen Zuständen. Das kann durchaus gewisse Fallstricke beinhalten. Konkret:

    * Confirmation Bias. Wenn man a priori eine kritische Haltung hat, ist man sozusagen darauf geeicht, Zustände und Ereignisse als normativ falsch zu beklagen. Das kann in Form von Confirmation Bias (Bestätigungsfehler) dazu führen, dass man hyperaktiv nach Problemen sucht, wo vielleicht gar keine sind.

    * Clickbait. Der Fokus auf das Negative kann dazu verleiten, bewusst Negatives zu inszenieren oder gänzlich herbeizufabulieren, um damit Aufmerksamkeit zu erhaschen. Auf diese Level bewegen wir uns nicht, aber wir sind uns bewusst, dass Geschichten über Probleme publizistisch besser funktionieren als Geschichten über Positives.

    * Die Welt wird immer besser. Die Welt ist heute in mancherlei Hinsicht besser als vor 50, vor 100, vor 200, vor 500 usf. Jahren. Beklagen wir uns heute sehr intensiv über Dinge, die im Grossen und Ganzen kleine Unbequemlichkeiten sind?

    Warum wir trotz dieser Punkte kritisch sind und kritisch bleiben:

    * Die Welt wird nicht immer besser. Die Vorstellung, dass die Welt immer besser wird, ist ein gefährlicher Trugschluss. Ja, die Welt ist heute in vielerlei Hinsicht besser als früher. Zu glauben, dass es darum aber immer so weitergehen wird, ist eine Illusion, die als das Induktionsproblem bekannt ist. Im Rahmen dieser Illusion ignorieren wir, dass es heute z.B. so grosse gesellschaftliche, globale Risiken wie noch nie gibt.

    * Die Welt kann noch besser werden – Fortschritt hört nicht auf. Auch, wenn wir die Prämisse “heute ist es doch besser als früher” akzeptieren, ist sie sinnlos. Denn: Würde man dieses Argument ernst nehmen, hätte man es auch damals, als es schlimmer als heute war, ernst nehmen müssen — und in der Konsequenz das, was früher schlimmer war, nie überwunden. Das bedeutet: Fortschritt, also das Maximieren lebenswerter Leben, hört nicht auf, weil die Situation zum Zeitpunkt t-1 schlechter war. Denn zum Zeitpunkt t-1 war die Situation besser als zum Zeitpunkt t-2, sodass man zum Zeitpunkt t-1 auch hätte sagen müssen: Alles halb so wild. Ein infiniter Regress der sinnlosen Relativierung. Würde man dieses Totschlagargument ernst nehmen, würde es zu zivilisatorischem Stillstand führen.

    * Moralische Asymmetrie: Das Schlimme ist schlimmer als das Gute gut ist. 100 Kinder verbringen einen Tag am Strand. 99 sind überglücklich: Sie toben im Meer, geniessen Eiscreme und bauen Sandburgen. 1 Kind ertrinkt. Würden wir hier sagen, dass wir nicht zu sehr auf das Negative fokussieren sollten, da die 100 Kinder im Schnitt einen ziemlich schönen, glücklichen Tag hatten? Nein, natürlich nicht. Denn wir denken, wenn es hart auf hart kommt, richtigerweise negativ-utilitaristisch: Glück ist gut und wünschenswert, aber Leid ist schlimmer als Glück gut ist. Unsere moralische Priorität als rationale Beobachter*innen des Zeitgeschehens muss darum sein, im weitesten Sinne Leid zu identifizieren und zu dessen Reduktion beizutragen.

  • In der heutigen Folge dreht sich alles um das Runde, das in das Eckige muss. Wir reden zum Anlass der EM 2024 über Fussball.

    Unser Gast ist Hüseyin Aydemir. Hüseyin ist freischaffender Journalist, der früher selber lange Amateurfussball spielte und auch als Trainer aktiv war. Unter anderem in einem Camp für Geflüchtete in Griechenland. Mit ihm reden wir über drei Facetten von Fussball.

    * Fussball und Politik. Der französische Fussballstar Kylian Mbappé sorgte mit seinen Kommentaren zum Rassemblement National für Aufsehen. Nachdem der RN bei der Europawahl die stärkste Kraft wurde, appellierte Mbappé an die Jugend, wählen zu gehen und den Extremen nicht die politische Bühne zu überlassen. Dafür erntete Mbappé viel Kritik. Nach dem Motto: Spiel doch einfach Fussball und halte die Klappe. Dürfen Profisportler ihre Bühne nutzen, um ihre politische Meinung kundzutun? Wir finden: Natürlich. Vielleicht sollten sie das sogar öfter tun.

    * Fussball und Kommerzialisierung. Profi-Fussball war immer schon kommerzialisiert. Das ist auch gut: Dadurch, dass Geld erwirtschaftet wird, können mehr Menschen an Fussball teilnehmen und davon leben oder sich einfach daran erfreuen. In den letzten Jahrzehnten erleben wir aber eine Neoliberalisierung des Fussballs: Clubs werden zu börsennotierten Aktienunternehmen, bei denen Länder wie Saudi-Arabien zu Geldgebern werden. FIFA und UEFA kassieren mit Turnieren ab und die Austragungsorte bleiben auf den Kosten sitzen. Fussballakademien suchen nach den neuen jungen Superstars und schaffen ein Prekariat an gescheiterten Spielern. Muss die Kommerzialisierung derart aus dem Ruder laufen?

    * Fussball und Hoffnung. Trotz aller Kritik: Fussball ist der beliebteste Sport der Welt. Warum eigentlich? Fussball ist ein Sport, den arm und reich zumindest im Prinzip gleichermassen spielen können. Ein verlotterter Ball und Freude am Spiel genügen. Fussball ist auch ein Sport, der ein sehr starkes emotionales Erlebnis ist: Spannung, Aufregung, Enttäuschung, Freude — ein Bad der Gefühle. Und Fussball ist trotz aller Probleme wie z.B. Hooliganismus eine gesellschaftliche Praktik, die so stark wie kaum etwas anderes Gemeinschaft stiftet.

    Ihr findet uns wie gewohnt auch auf YouTube:

    https://www.youtube.com/watch?v=yk-gytg0ziI



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  • Vom 6. bis 9. Juni fanden in den 27 Mitgliedsstaaten der EU Wahlen zum Europäischen Parlament statt. Das Ergebnis: Rechts und Rechts-aussen legen deutlich zu. In Finnland, Schweden und Dänemark gehören linke Parteien zu den Gewinnern. U.a. in Deutschland, Österreich und Frankreich haben die rechtspopulistischen und rechtsradikalen Parteien AfD, FPÖ und RN klar gewonnen.

    Wir diskutieren die Ergebnisse und versuchen zu verstehen, warum die Wahl ausging, wie sie ausging. Migration, Abstiegsängste, Social Media: Unterschiedliche Faktoren dürften zum Erfolg der rechtspopulistischen Parteien beigetragen haben.

    Ein Artikel zum Thema:

    https://www.zeitgeister.xyz/p/warum-wahlen-menschen-die-afd

    Unsere Diskussion auf YouTube:

    https://www.youtube.com/watch?v=8VQA2ywaEx4

    Weitere Themen in der heutigen Folge:

    * Theater im Schweizer Bundeshaus. Der ukrainische Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk besuchte das Schweizer Parlament in Bern. Wegen eines Fotoshootings war eine Treppe im Bundeshaus für kurze Zeit gesperrt. Die SVP-Nationalräte Thomas Aeschi und Michael Graber (deren Partei eine ausgeprägte Kreml-Affinität hat) sahen darin ein Problem. Sie wollten unbedingt diese eine Treppe benutzen, um die Fotoaufnahmen zu stören. Dabei provozierten sie eine Eskalation mit der Polizei und stellten sich im Nachhinein als Opfer dar. Einen Polizisten beschimpften sie sogar als Nazi. Das Erschreckende an dieser Geshichte: Diese fundamental unseriösen Menschen sitzen an den Hebeln der Macht.

    * Donald Trump vs. Haifisch. Donald Trump ist voll im Wahlkampfmodus. Am 10. Juni hielt er eine Rede in Las Vegas, die wir uns genauer anschauen. Seine Aussagen schwanken zwischen menschenverachtend (Migrant*innen seien allesamt kriminell oder geisteskrank), erschreckend (Lob für den Diktator Xi Jinping, weil Drogendealer in China ganz unbürokratisch hingerichtet werden) bis hin zu absurd (elektrische Boote sinken, weil sie so schwer sind, und man muss sich entscheiden, ob man lieber einen Stromschlag kriegt oder von Haien gefressen wird). So bizarr Trumps Redeschwall ist, so sehr gibt er Einblick in die Sozialpsychologie von MAGA: Trump spricht authentisch, deutlich und immer alarmistisch. Das bewegt.



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  • In der heutigen Ausgabe diskutieren wir mit Ervin Tahirovic (ab Minute 44), der als “Proletopia” zu politischen Themen auf Twitch streamt und im Online-Diskurs regelmässig für Gesprächsstoff sorgt. Wir reden mit ihm über den “Arbeiterstolzmonat”, den er als Idee erfunden hat; über Migration, die er als Linker kritisch sieht; über die Gründe für den Zerfall Jugoslawiens; über den Ukraine-Krieg.

    Zu Beginn fragen wir Ervin, ob Proletopia ernst gemeint ist oder nur eine provokative Kunstfigur sein soll. Er meint, Proletopia habe Elemente von beidem. Das ist auch unser Eindruck in der Debatte: Ervins Ansichten sind sehr weitreichende, oft maximal starke und maximal einseitige Parolen — bei denen, so unser Eindruck, wenig konkrete Argumente gegeben sind, wenn man analytisch ein wenig zu präzisieren versucht. Beim Projekt Proletopia steht eine seriöse Analyse, so unsere Wahrnehmung, nicht im Vordergrund.

    Einen Aspekt, der besonders hitzig war, wollen wir hier nochmals kurz aufgreifen. Ervin sagt, Jugoslawien sei wegen externer Faktoren zerfallen: Nicht klar definierte westliche Interessen “des Kapitals” hätten den Zerfall herbeigeführt, darunter der internationale Währungsfonds, der den Teilrepubliken Kredite in Aussicht gestellt habe, falls sie sich abspalten. Marko nennt diese Analyse Flacherde-Niveau. Der Grund: Es gibt sehr viel Literatur zum Zerfall Jugoslawiens (https://www.jstor.org/stable/j.ctt6wq21x). Ervins These und damit das Ignorieren ethno-nationalistischer Spannungen in Jugoslawien ist eine derart unseriöse, ahistorische und empirisch unbelegte Deutung, dass sich Marko zu diesem ad hominem hat hinreissen lassen. Dafür sorry. Die Qualität von Ervins Analyse hätte sachlicher kritisiert werden können.

    Die Debatte auf YouTube:

    https://youtu.be/MF5DIgNrR1k?si=8sB1t6C_yJgUXLn4

    Weitere Themen in der heutigen Folge:

    * Zu wenige Weisse in der Deutschen Fussball-Nationalmannschaft. Bald startet in Deutschland die Fussball-EM 2024. In einer Umfrage fand der Westdeutsche Rundfunk WDR heraus, dass rund 20% der Bevölkerung finden, in der Nationalmannschaft gebe es zu wenige Spiele mit weisser Hautfarbe. Ein Rassismus-Skandal? Nein. Viel eher ein Pseudo-Skandal, der mit einer Umfrage konstruiert wurde, die solche Ergebnisse produzieren sollte.

    * Ukraine-Kommentare bei SRF. Am 4. Juni spielte die Schweiz ein Testspiel gegen Estland. Der Kommentator Sascha Ruefer lobte den estnische Spieler Konstantin Vassiljev für sein “mutiges und aufrichtiges Denken” zum “Zwist” zwischen der Ukraine und Russland. Das mutige Denken: Vassiljev wurde kritisiert, weil er findet, er sei weder für die Ukraine noch für Russland. Das Problem beim Loben dieser Haltung: Damit wird in einer völkerrechtlich klaren Situation das Vorgehen des Kreml relativiert und verharmlost.

    * Donald Trump wurde verurteilt. Donald Trump wurde wegen der Verschleierung einer Schweigegeldzahlung an die Pornodarstellerin Stormy Daniels, mit der er eine Affäre hatte, in 34 Anklagepunkten für schuldig gesprochen. Nach der Urteilsverkündung verlieren seine Anhänger sprichwörtlich den Verstand. U.a. wird Trump mit Jesus verglichen. MAGA ist keine normale politische Bewegung. MAGA ist eine Sekte.

    * Das Fiasko von STRG F. STRG F, ein erfolgreiches YouTube-Reportageformat, das der Norddeutsche Rundfunk NDR für das Content-Netzwerk Funk von ARD und ZDF produziert, ist nach 5-monatiger Pause zurück. Was ist passiert? Nach groben journalistischen Fehlern in einer Reportage, in der der YouTuber Rezo vorkam, ergoss sich Shitstorm um Shitstorm über STRG F. Durchaus zurecht, wie wir rekonstruieren. Ist das Drama nun endlich beendet?



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  • Mia Jenni ist Sekretärin der SP queer, der queerfeministischen Strömung innerhalb der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz. Mit ihr diskutieren wir über die Situation von LGBTQ-Angehörigen, über die bisweilen verwirrenden Begriffe “queer”, “FLINTA” und co., über die kommerzielle Vereinnahmung u.a. des Pride Month (Pinkwashing, Rainbow Washing), über mögliche blinde Flecken bei der SP und über den Kulturkampf nach angelsächsischem Vorbild.

    Das Gespräch ist auch auf YouTube:

    https://www.youtube.com/watch?v=GTaDy3c6TNM

    Weitere Themen in der heutigen Folge:

    * Sylt-Shitstorm. Eine Gruppe gut betuchter Menschen feiert auf Sylt und skandiert “Ausländer raus, Deutschland den Deutschen”, inkl. Hitlergruss. Sind diese Leute einfach nur rassistisch, oder spielt (auch) ein internalisierter Klassismus und damit verbunden das Gefühl, über sozialen Normen zu stehen, eine Rolle?

    * Richard David Precht erklärt Demokratie. Der einflussreichste Philosoph im deutschsprachigen Raum, Richard David Precht, erklärt in einem Interview, die “gesamte arabische Welt” taue nicht zu liberalen Demokratien. Wie er zu diesem Schluss kommt, ist geradezu peinlich.

    * Das Wort zum Mittwoch: Rafah. Robin versucht in einem Monolog, seiner Bestürzung über das Leid der Menschen in Rafah und der Häme, mit der dieses Leid bei uns rezipiert wird, zum Ausdruck zu bringen.



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  • Menschen mit Migrationshintergrund sind überproportional oft delinquent. Was bedeutet das?

    Darüber diskutieren wir mit dem Frank Urbaniok. Frank ist forensischer Psychiater, Honorarprofessor an der Uni Konstanz und er war von 1997 bis 2018 Leiter des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des Kantons Zürich. Er engagiert sich publizistisch zum Thema Ausländerkriminalität und fordert eine offene Debatte ohne Vereinfachung.

    Für offene Debatten ohne Vereinfachung sind wir auch. Im Gespräch reden wir über den medialen Diskurs, über konkrete Zahlen, über kriminologische Studien und über mögliche Massnahmen. Und stellen fest: Die Vereinfachung, gegen die Frank angehen will, macht er in unserer Wahrnehmung ein Stück weit selber. Etwa bei der Verwendung rechter Kampfbegriffe wie “Migrationsromantik” oder der pauschalen Ablehnung kriminologischer Studien, die seine Sicht nicht stützen — weil sie nahelegen, dass der analytische Fokus auf die blosse Herkunft zu wenig Erklärungsgehalt hat und weitere relevante Faktoren ausblendet. Wenn wir ernsthaft daran interessiert sind, dass es weniger Kriminalität gibt, dann müssen wir solche Scheuklappen ablegen. Egal, wie bequem die einfachste Erklärung zu sein scheint.

    Die Diskussion auf YouTube:

    https://www.youtube.com/watch?v=BNOQo7gfYY4

    Weitere Themen in der heutigen Folge:

    * Benjamin Netanyahu in Den Haag? Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag kündigte am 20. Mai an, dass er Anträge für Haftbefehle gegen drei Hamas-Führer und zwei Mitglieder der israelischen Regierung stelle. Und die halbe Welt drehte durch. Wir diskutieren, wie der Internationale Strafgerichtshof eigentlich funktioniert. Und wir nehmen mit Verwunderung zur Kenntnis, dass vielen Menschen humanitäres Völkerrecht egal ist und sie sich nicht dafür interessieren, ob die Netanyahu-Regierung Kriegsverbrechen begeht. Das ist beschämendes Lagerdenken, das an die Jahre nach 9/11 erinnert, als die Bush-Regierung im Rahmen des “Krieges gegen den Terror” munter und ohne Folgen Verbrechen beging. Auch damals hiess es, man dürfe ein demokratisches Land doch nicht auf eine Stufe mit Al-Qaida, Saddam Hussein, ISIS stellen. Tat damals niemand und tut heute niemand. Es geht nur um Völkerrecht, das einfach für alle gelten sollte.

    * Scarlett Johansson vs. ChatGPT. OpenAI hat eine neue Version von ChatGPT vorgestellt, die verdächtig ähnlich klingt wie die Schauspielerin Scarlett Johansson im Film “Her”, in dem sie selber einen AI-Chatbot spielt.

    * Wer braucht schon ein Grundeinkommen wenn wir AI haben? Sam Altman, der Chef von OpenAI, hat eine zündende Idee: Wir brauchen kein Grundeinkommen, das Menschen ermöglichen würde, ihre materiellen Grundbedürfnisse zu decken. Nein, wir brauchen “Universal Basic Compute” — ChatGPT für alle! Weil man davon bekanntlich richtig schön satt wird.



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  • In der heutigen Folge begrüssen wir Iwan Schauwecker zu einem Gespräch über die Zukunft von Gewerkschaften. Iwan ist Redaktor bei der Zeitung “work”, die zur Schweizer Gewerkschaft Unia gehört. (Beginn ab Minute 45)

    Warum sollte man über so etwas reden? Einerseits verlieren Gewerkschaften rasant an Boden: In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind immer weniger Erwerbstätige in Gewerkschaften Mitglied. Andererseits nahmen im gleichen Zeitraum prekäre Jobs markant zu (unfreiwillige Teilzeitarbeit, Stundenlohn, befristete Arbeitsverträge, Temporärarbeit, Gig-Arbeit). Was läuft falsch?

    Im Gespräch versuchen wir, uns einer Antwort anzunähern. Wir diskutieren u.a. kritisch, was Gewerkschaften heute vielleicht falsch machen. Sind das einfach träge, langsame Ungetüme, Überbleibsel aus vergangenen Zeiten, die gar nicht mehr auf die heutigen Realitäten reagieren können, sondern in erster Linie am eigenen Fortbestehen interessiert sind?

    Das Gespräch kannst du auch gesondert auf unserem YouTube-Kanal anschauen:

    https://youtu.be/zvbtXvwkl4o?si=fauXswiLzXCfzj-X

    Weitere Themen in der heutigen Folge:

    * Dating-Apps mit AI-Klonen. Bumble-Mitgründerin Whitney Wolfe Herd erklärt, dass wir uns bald nicht mehr selber auf Partner:innensuche begeben müssen. Wir können stattdessen einfach einen AI-Klon von uns erstellen und ihn zum Dating mit AI-Klonen anderer Menschen schicken. Falls das dystopisch klingt: Ist es. Das ist im Wesentlichen die Geschichte in einer Folge der Serie “Black Mirror”.

    * Broscience und Schwangerschaft. Der wohl grösste Gesundheitspodcaster der Welt, Andrew Huberman, erklärt in seiner Show “The Huberman Lab”, wie lange es dauert, bis eine Frau schwanger wird. Wenn die Wahrscheinlichkeit im ersten Monat bei 20% liege, betrage sie nach 6 Monaten 120%. Wow, das gibt glatt Zwillinge! Eine kleine Geschichte über die Grenzen der Glaubwürdigkeit von Gesundheits-Gurus.

    * Björn Höcke wird verurteilt. Björn Höcke, AfD-Spitzenkandidat in Thüringen, wurde zu 13’000 Euro Strafe verurteilt, weil er öffentlich eine in Deutschland verbotene Nazi-Parole benutzte (Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig). Höcke sagt, er habe nicht gewusst, was es mit der Parole auf sich hat. Wir erklären, warum diese Ausrede Quatsch ist und Höcke sehr wohl weiss, was er tut.

    * Eurovision Song Contest. In Malmö fand der Eurovision Song Contest statt — und um Lieder ging es irgendwie nur am Rande. Anti-Israel-Proteste, Satanismus-Panik, Häme gegen den Siegersong und die Person Nemo, und vielleicht doch der ein oder andere kleine Lichtblick. Wir versuchen, das Ganze unaufgeregt einzuordnen. Und siehe da, es gab tatsächlich auch tolle Musik.



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  • I - Die heutige Folge ist heiss, heiss, heiss. Wir begrüssen Emrah Erken zu einer Debatte (ab 00:46:40). Emrah ist Anwalt, Publizist und Twitter-Influencer. Wir reden mit ihm über seine Ansichten zu Islam, zu "Wokeness", zu Identitätspolitik, zu trans und nonbinären Menschen — und die Debatte endet im Chaos.

    Was ist passiert? Die Debatte ist wohl ein Stück weit wegen der Inhalte eskaliert, aber wir haben das Format nicht optimal gestaltet. Wir waren zu konfliktiv, und die Dynamik von zwei Personen gegen ein Person war hier zu ausgeprägt. Wir nehmen das zum Anlass, unser Debattenformat in Zukunft besser zu gestalten. Unsere Gäste müssen in angemessenem Umfang zu Wort kommen können, um ihre Gedanken zu präsentieren — auch dann, wenn uns eine Reaktion auf das unmittelbar Gesagte unter den Nägeln brennt.

    Das bedeutet aber nicht, dass wir eine belanglose Interview-Show werden wollen, in der wir einfach alles abnicken. Es geht uns um Inhalte. Über sie müssen wir zivilisiert streiten können. Kritik üben und Kritik einstecken.

    Ihr könnt die Debatte auch auf YouTube anschauen:

    https://youtu.be/lhrOMj7G7cQ?si=pvYyrjc4SqU78zN_

    II - In die Show steigen wir mit der Geschichte von Lauren Southern ein (00:08:00). Lauren Southern wurde als antifeministische, rechtsradikale YouTuberin berühmt. Heute ist sie weniger radikal. Unter anderem, weil sie als Tradwife die Hölle auf Erden erlebt hat.

    “Tradlife” und “Tradwife” ist eine Internet-Bewegung, die vermeintlich klassische Rollenteilung in der Familie in einer Art reaktionärer Fantasie zelebriert. Der Mann verdient Geld und trifft die grossen Entscheidungen. Die Frau ordnet sich dem Mann unter und kocht, putzt und schaut zu den Kindern.

    Auch Southern war eine Verfechterin des Tradwife-Modells — bis sie es selber ausprobierte. Über ihre Erfahrungen berichtet sie in einem im Mai erschienenen Artikel (https://unherd.com/2024/05/lauren-southern-the-tradlife-influencer-filled-with-regret/).

    “Traditionelle” Rollenverteilungen in Ehen sind natürlich an sich kein Problem, wenn das für alle Beteiligten so stimmt. Ein Problem entsteht dann, wenn sich Menschen in einen solchen Lebensentwurf hineinbegeben, weil sie aufgrund ideologischer Berieselung das Gefühl haben, dass sie das müssen.

    III - Ende April erschien in der SonntagsZeitung in der Schweiz ein Artikel mit dem spektakulär klingenden Titel “Mental Health: Die eingebildete Krise” (https://www.tagesanzeiger.ch/psychische-gesundheit-gibt-es-die-mental-health-krise-wirklich-413348901307). (Segment ab 00:26:42)

    Zum Artikel gab es viele negative Reaktionen, weil bereits der Titel suggeriert, die Situation mit psychischen Krankheiten sei nicht gar so schlimm — die Betroffenen würden sich die Dinge vielleicht sogar nur einbilden. Die zentrale Aussage des Artikels ist, dass psychische Krankheiten nicht häufiger oder, indirekt, schwerer werden.

    Das kann sein. Wir haben genauer hingeschaut. Und stellen fest: Im Artikel wird eine Geschichte konstruiert, die angesichts der verfügbaren Datenlage so nicht stimmt. Nicht nur wird medienethisch unlauter mit Auslassungen, Ablenkungsmanövern und Halbwahrheiten manipuliert — der Artikel widerspricht sich selber.



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    Alle Probleme der Welt lassen sich auf einen einzigen Konflikt zurückführen: Die Bourgeoisie beutet die Arbeiterschaft aus. Wollen wir gesellschaftliche Probleme lösen, müssen wir das Verhältnis von Kapital zu Arbeit verändern.

    So in etwa lässt sich das analytische Schema einiger Leute im linken Spektrum zusammenfassen. Ist das ein präziser Blick auf die gesellschaftlichen Zustände? Wir denken, nein: Der Hyper-Fokus auf Klassenfragen mündet in Klassenreduktionismus. Darüber reden wir in der heutigen Bonusfolge.

    Es gibt Formen der gesellschaftlichen Benachteiligung, es gibt gesellschaftliche Konfliktlinien, die nicht primär oder überhaupt nicht auf ökonomische Benachteiligung zurückzuführen sind. Ein Beispiel: Der oberste Gerichtshof der USA, durch Trump und die republikanische Partei in den Jahren zuvor stärker rechtskonservativ besetzt, hob 2022 das landesweite Recht auf Abtreibung auf. Die Konsequenz war eine drastische Einschränkung des Rechtes und der Möglichkeiten für Schwangerschaftsabbruch in zahlreichen US-Bundesstaaten.

    Diese Konfliktlinie ist nicht in erster Linie ökonomisch motiviert. Die Einschränkung der Rechte von Frauen ist die Folge rechtskonservativer bis fundamentalistisch religiöser Wertvorstellungen. Das gibt es auch. Die Welt ist vielschichtig, und gesellschaftliche Benachteiligung kann entsprechend intersektional sein.

    Klassenreduktionismus ist letztlich ein anschaulicher Fall des Maslow’schen goldenen Hammers: Wenn das einzige Werkzeug, das wir benutzen, ein Hammer ist, sieht jedes Problem wie ein Nagel aus. Immer überall nur Klassenkampf zu sehen, ist ein Denkfehler.

    Natürlich kann es genauso ein Denkfehler sein, die materielle, ökonomische Ebene gänzlich auszublenden und nur auf Gruppennachteile zu fokussieren. Das ist beispielsweise die Grundlage für Phänomene wie Pinkwashing: Grosskonzerne geben sich sehr inklusiv und setzen in ihrer PR auf Diversität — beuten in Tat und Wahrheit aber just jene Minderheiten ökonomisch aus, die sie in ihrer PR zelebrieren.

    Die Welt ist komplex. Wir müssen uns ihrer Komplexität annehmen und allzu einfache “One Size Fits All”-Lösungen vermeiden. Wer glaubt, mit einem einfachen Modell alles zu erklären, erklärt letztlich nichts.

  • In Folge 2 steigen wir mit einem Thema ein, das wir letzte Woche aus Zeitgründen ausgelassen hatten: Eso-Märchenstunde beim Schweizer Fernsehen SRF. Im Dokumentarfilm “Der Wunderheiler – Energietherapie als Ergänzung zur Schulmedizin?” transportiert SRF einen Wunderheiler der Krankheiten auf einer “feinstofflichen” Ebene herausmassieren kann. Quacksalberei der ganz alten Schule. Dass es Menschen gibt, die solchen Humbug anbieten, ist nicht verwunderlich. Dass SRF derart unkritisch solch voraufklärerischen Gugus aufgreift, hingegen schon.

    In den USA finden an Dutzenden Hochschulen pro-palästinensische Proteste statt — und die Reaktionen darauf sind eine totale diskursive und politische Entgleisung. Die Rede ist von “Terrorcamps” und antijüdischen Pogromen; einige Hochschulleitungen lassen die Proteste mit massiven, militarisierten Polizeieinsätzen auflösen.

    Ist an den Protesten alles in Ordnung? Nein, natürlich nicht. Wie bei allen Protesten gibt es Personen, deren Verhalten und Ansichten inakzeptabel sind. Und Studi-Proteste sind allgemein immer überzeichnet, theatralisch, nicht selten cringe. Aber bei der Skandalisierung der Proteste geht es mehr um das Bedienen von Culture War-Narrativen als um die tatsächlichen Inhalte.

    Bei den Anti-Vietnamkrieg-Protesten in den 1960er Jahren gab es auch Studierende mit inakzeptablen Ansichten, und auch jene Proteste fokussierten auf Kritik an einer Seite des Konfliktes. Waren darum alle Protestierende automatisch pro Vietcong, pro Terror, pro Diktatur? Nein, natürlich nicht. Eine solche Pauschalisierung ist, damals wie heute, nicht nur unterkomplex, sondern einfach nur absurd. In der Kakophonie der Aufregung gehen alle analytischen Grautöne verloren.

    Das “Lustige” an der ganzen Skandalisierung des Spektakels der Proteste: Gäbe es die ganze Aufregung und die massiven Polizeieinsätze nicht, wüsste wohl kaum jemand, dass überhaupt etwas an den Hochschulen passiert.

    Das Hauptgericht der heutigen Folge: Ein Streitgespräch mit Mitgliedern des Schweizer Ablegers von “Der Funke” (ca. ab 00:45:30).

    Der Funke ist Teil der “International Marxist Tendency” (IMT), einer marxistischen Organisation mit Sitz in London. Der Funke gründet im Mai 2024 die “Revolutionäre Kommunistische Partei” RKP in der Schweiz. Ihr Ziel: Die kommunistische Revolution in der Schweiz herbeiführen.

    Da hat uns natürlich interessiert: Wie soll das aussehen? Unsere Debatte mit Oli und Caspar ist ziemlich lang und ziemlich hitzig ausgefallen. Schon zu Beginn, als wir über die Organisationsstruktur reden, wird es konfrontativ. Wir schätzen es sehr, dass Der Funke zu dieser Debatte bereit war, und unsere sehr tiefgreifende Kritik richtet sich nicht an Personen, sondern an ihre Ansichten und Argumente.

    Drei Punkte aus der Debatte wollen wir an dieser Stelle kurz ansprechen präzisieren.

    I - Urknalltheorie und IMT. Die IMT lehnt die physikalische Urknalltheorie ab, weil das mit Marxismus nicht kompatibel sei (Urknalltheorie soll “idealistisch” sein und Gott als Möglichkeit erlauben.). Wir sprechen das in der Debatte an, weil wir in der Vorbereitung gesehen haben, dass das bei der IMT relativ viel Gewicht hat — und wir das sehr bizarr finden. Unsere Studiogäste haben uns nachträglich erklärt, dass das unfair war, weil wir das im Vorgespräch nicht als Thema definiert hatten. Das ist korrekt, wir hatten das im Vorgespräch nicht als Thema besprochen. Das Thema kam bei uns erst im Rahmen der Recherche richtig auf den Radar. Wir wollten sie damit nicht überfallen, sondern einfach verstehen, was sie von dieser Position, die die IMT in London umfassend in Texten festhält (der jüngste ist von 2023), halten. Es ist eine weltanschauliche Position, die ihre Organisation seit vielen Jahren explizit vertritt. Zu fragen, was es damit auf sich hat, ist unseres Erachtens nicht unfair, auch wenn wir nicht vorab angekündigt haben, dass wir danach fragen würden.

    II - Bernie Sanders und Eisenbahngewerkschaften. Im Rahmen der Diskussion, ob es etwas bringt, sich im aktuellen System demokratisch zu beteiligen, sagen unsere Gäste, dass der linke US-Senator Bernie Sanders gegen Eisenbahngewerkschaften gestimmt habe; dies als Argument, dass das aktuelle System nicht funktioniere oder nicht funktionieren könne. Der Sachverhalt stimmt so aber nicht. Sanders stimmte Ende 2022 gegen ein Abkommen zwischen Eisenbahngewerkschaften und Eisenbahnunternehmen — weil darin für Eisenbahnangestellte keine bezahlten Krankheitstage enthalten waren. Sanders’ Antrag, bezahlte Krankheitstage einzubinden, fand keine Mehrheit. Darum stimmte er gegen das Paket; es ging ihm zu wenig weit. Sanders wollte mehr für die Gewerkschaften, nicht weniger. Dieses Mehr erreichte er auch: Dank anhaltendem öffentlichen Druck massgeblich durch Sanders lenkten die Eisenbahnunternehmen im Mai 2023 ein und führten bezahlte Krankheitstage ein (https://www.theguardian.com/business/2023/may/01/railroad-workers-union-win-sick-leave).

    III - Der Funke / IMT / RKP und trans Menschen. Gegen Ende der Debatte sagt Robin, der IMT seien trans Menschen nicht wichtig. Das verneinen Oli und Caspar energisch. Diese Behauptung war so von unserer Seite falsch, da zu ungenau und zu unpräzise. Im “Manifest der Revolutionären Kommunistischen Internationale” (https://www.marxist.com/manifest-der-revolutionaeren-kommunistischen-internationale.htm) steht:

    > Das heißt: Wir sind gegen Unterdrückung und Diskriminierung jeder Art, sei sie gegen Frauen, ethnische Minderheiten, Homosexuelle, Transpersonen oder irgendeine andere unterdrückte Gruppe oder Minderheit gerichtet.

    Sofort danach steht aber Folgendes:

    > Aber wir lehnen die Identitätspolitik kategorisch ab, die vorgibt, die Rechte einer bestimmten Gruppe zu schützen. Unter diesem Deckmantel spielt sie eine reaktionäre und spaltende Rolle, die letztlich die Einheit der Arbeiterklasse schwächt und der herrschenden Klasse einen unschätzbaren Dienst leistet.

    > Die Arbeiterbewegung hat sich mit allen möglichen klassenfremden Ideen infiziert: Postmodernismus, Identitätspolitik, „politische Korrektheit“ und all der andere bizarre Unsinn, den das „linke“ Kleinbürgertum, das als Riemen für klassenfremde und reaktionäre Ideologie fungiert, von den Universitäten eingeschmuggelt hat.

    Die Solidarität mit vulnerablen Gruppen wird betont, um danach eine Invektive gegen “Identitätspolitik”, Postmodernismus, “politische Korrektheit” und sonstigen “klassenfremde Ideen” zu platzieren. Hier sehen wir das Problem: Hyper-Klassenreduktionismus. Es ist offenkundig irrational, alles immer nur als Klassenkampf zu verstehen — und als einzige Lösung eine nebulöse Revolution in der Zukunft zu postulieren. Ein Beispiel. Zu kritisieren, dass die republikanische Partei in den USA die reproduktiven Freiheiten von Frauen massiv einschränkt, ist nicht “Identitätspolitik”, und die Situation wird in keiner Weise verbessert, wenn man auf einen Klassenkampf verweist, der irgendwann irgendwie stattfinden soll. Die Konsequenz dieses Hyper-Klassenreduktionismus: Die vulnerablen Gruppen, um die es geht, werden in ihrer Benachteiligung und Unterdrückung letztlich allein gelassen. Die angebliche Solidarität mit den Betroffenen ist nichts als ein hohles Lippenbekenntnis.



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    Bereits nach unserer ersten Show kam die Kritik, dass es nicht in Ordnung sei, mit Menschen zu reden, die ideologisch rechts stehen. Über diese Kritik reden wir in dieser Bonus-Folge.

    Wir machen, was wir machen, aus mindestens drei Gründen. Erstens ist nicht jede Person, die ideologisch rechts steht, automatisch ein verrückter Nazi, dessen Ansichten wir mit einem Auftritt bei uns Normalisieren.

    Zweitens: Nennt uns naiv, aber wir glauben aufrichtig, dass öffentliche Debatten, dass Diskurs, dass der “Marketplace of Ideas” in einer Demokratie wichtig ist. Besonders, wenn es um Ideologien und Ansichten geht, die problematisch sein können. Wir bieten nämlich nicht einfach eine unkritische Bühne, sondern bringen aktiv Gegenargumente und Gegenrede. Das ist für Menschen, die nicht schon mit hoher Confidence wissen, was sie glauben wollen, wertvoll.

    Und drittens: Wir wollen interessanten, abwechslungsreichen Content bieten. Der inhaltliche Mix, den wir anpeilen, enthält Debatten, erschöpft sich aber nicht in ihnen. Wenn wir immer nur unter uns bleiben und nur mit Menschen reden, die alles genauso sehen wie wir, ist das schlicht etwas eintönig.

    tl;dr: Wir wollen Teil der breiteren Debatte sein, und dazu gehört auch, sich kritisch mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen. Nicht ausschliesslich, aber auch Face to Face im direkten Austausch.

  • Willkommen bei der allerersten Folge von Zeitgeister!

    In Folge 1 reden wir über den Rechtsaussen-Journalisten bzw. Kommentator bzw. Demagogen Tucker Carlson, der bei Joe Rogan erklärt, warum die Evolutionstheorie falsch ist und warum Ausserirdische in den Ozeanen versteckt wohnen. Man lernt nie aus.

    Auch diskutieren wir über das World Press Photo of the Year. Das Foto zeigt eine palästinensische Frau, die um ihre tote Nichte trauert. Ein Bild, das unabhängig davon, wie man zu Israel und Palästina steht, einfach nur weh tut. Doch es gibt Leute, die meinen: Das Foto ist Fake.

    Der Hauptblock der Folge ist eine Debatte mit Ronnie Grob. Ronnie ist Chefredaktor der Zeitschrift "Schweizer Monat" und setzt sich für eine "liberale" Gesellschaft ein. Mit ihm debattieren wir über Liberalismus, "Wokeness", Bitcoin und den Goldstandard. Spoiler: Wir haben nicht immer dieselbe Meinung.



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